Perfektionismus und Selbstwertgefühl

Perfektionismus und Selbstwertgefühl: Lassen Sie endlich los!

1. Ist Perfektionismus so wünschenswert wie Sie denken?

Wer möchte nicht alles so gut wie möglich machen?

Der Wunsch nach Perfektion heißt eigentlich, dass man engagiert ist, dass man eine gute Leistung erbringen will, dass man sich verbessern möchte… oder?

Was kann falsch daran sein?

Ich habe bei mir gelernt, oft zu hinterfragen, warum ich die Sachen tue, die ich tue, vor allem, wenn sie mir wichtig sind oder starke Reaktion hervorrufen.

In dieser Post werden wir analysieren, was Perfektionismus für uns bedeutet und ob es nützlich ist oder nicht.

2. Was steckt hinter Ihrem Perfektionismus?

Ich bin gerne aktiv im Beruf und privat, und beschäftige mich oft mit vielen Aktivitäten, weil es mir Spaß macht und gerne Neues entdecke. Das stimmt so, ich erzähle da keine Lüge. Aber ich habe mich auch mal gefragt, ob da auch noch etwas Anderes dahinter steckt. Z.B. eine Sehnsucht nach Anerkennung?

Natürlich habe ich es gerne, wenn andere mich schätzen und loben. Ganz normal, kann man sagen. Ja, vielleicht, aber nicht jeder hat den gleichen Wunsch, das gleiche Bedürfnis nach Anerkennung, und wir suchen sie auch nicht alle auf eine ähnliche Art und Weise.

Wie fühlen Sie sich oder was sagen Sie sich innerlich, wenn Sie Fehler machen?

Hast Sie Angst davor, dass andere Menschen Sie nicht so lieben oder bewundern, wenn Sie nicht perfekt sind?

Verzichten Sie auf Dinge, die Sie gerne machen würden, weil Sie denken, dass Sie sie vielleicht nicht so gut machen können, wie Sie es sich wünschen würden?

Vor einem Paar Jahren habe ich entschieden einen Zeichenkurs zu machen. Ich hatte nie gezeichnet oder gemalt, aber ich hatte Lust darauf, es auszuprobieren. Der Kurs war gemischt, nicht nur für Anfänger, und am Ende jeder Aufgabe sind wir alle zusammen gekommen, um unsere Bilder zu schauen und zu besprechen.

Es war mir total peinlich, weil meine Bilder so schlecht waren in Vergleich zu den anderen, dass ich nach wenigen Wochen gedacht habe, dass ich vielleicht mit dem Kurs aufhören sollte.

Da habe ich mich aber gezwungen weiter zu machen. Du machst jetzt diesen Kurs zu Ende, habe ich mir gesagt. Wenn du danach nicht weiter machen möchtest, ist ok, aber das muss du jetzt schlucken, dass du unter den schlechtesten in der Gruppe bist.

Es hat Kraft und Geduld gekostet, aber ich habe es so getan. Es wurde mir bewusst, dass das Problem nicht war, ob ich gut oder schlecht male, sondern dass ich das Bedürfnis spüre, eine gute Leistung in jedem Bereich zu liefern, als fähig oder intelligent angesehen zu werden.

Später habe ich mich für einen zweiten Kurs angemeldet. Ich habe mich dann auch langsam entwickelt und eine neue Leidenschaft entdeckt, die ich bis heute noch ausübe.

Wenn ich meine Gefühle nicht achtsam konfrontiert hätte, hätte ich eine Vergnügungsquelle verloren, die meine Kreativität freien Raum zulässt.

Verzichten Sie mal auf etwas, weil Sie zu hohe Ansprüche an sich selbst haben?

3. Habe ich Angst davor, dass meine Kunst (oder meine Leistung) nicht gut genug ist?

In meinen Schreibkursen merke ich oft, wie schwer es uns allen fällt, das Ergebnis kurz zu vergessen und uns auf den Prozess zu konzentrieren. Wir wollen alles vom Anfang an perfekt schaffen. Und wenn es nicht klappt, dann denken wir, dass wir vielleicht einfach nicht gut genug sind.

Im Inneren erhoffen wir uns für unser Talent bewundert zu werden. Besonders im Bereich der Kunst gibt es auch oft diese Idee, dass wenn man talentiert ist, muss man sich nicht so viel Mühe geben.

Man merkt oft nicht die Arbeit, die hinter jedem Werk steckt. Man vergisst auch wie viele Jahre in der Kindheit z.B. wir gebraucht haben, um uns das Wissen zu aneignen, das wir jetzt haben.

Wir haben auch nicht gelernt, den Weg, das Lernen, das Üben zu genießen.

Der Wunsch, sich kreativ auszudrücken, kommt oft mit einer Mischung aus Ego und Unsicherheit, wahrscheinlich die zwei Gesichter des gleichen Problems.

Wir wollen sofort etwas Wunderbares schaffen und Anerkennung bekommen. Wenn das nicht passiert, wollen wir auch sofort aufhören. Wenn ich die Perfektion nicht erreichen kann, dann lasse ich das. Lieber aufhören als scheitern.

Man kann aber auch einfach den Weg mit Bescheidenheit und mit Anfängergeist und Freude beginnen, ohne sich zu sehr auf die eigene Ängste und Erwartungen zu orientieren.

4. Selbstvertrauen stärken und das Leben genießen

Es ist sehr nützlich sich zu fragen, was für Glaubenssätze wir in Bezug auf uns selbst haben.

In ihrem Klassiker Der Weg des Künstlers, an dem ich auch einen Schreibkurs gewidmet habe, bietet Julia Cameron ein zwölfwöchiges Programm an, um die eigene Kreativität zu erforschen und freizulassen.

Im ersten Kapitel analysiert sie mögliche negative Glaubenssätze, die wir oft unbewusst in uns haben. Sie spricht über Künstler, aber eigentlich sollte das man nicht zu eng verstehen. Alle Menschen können kreativ sein und das Erlernte für das Leben nutzen.

Ich kann kein Künstler sein, weil ich meine Familie verletzen werde, weil ich einsam sein werde, weil ich kein Geld haben werde, weil es zu spät ist, weil ich nicht genug Ideen habe… Die Gründe, die wir uns erzählen sind unendlich.

Wenn man aber bewusster wird, wenn man in sich entdeckt, was ihn aufhält oder verunsichert, dann merkt man, dass es einfach nur Gedanken sind, die oft keine Basis haben.

Es sind Gedanken, die wir in der Kindheit oder später verinnerlicht haben und uns Leid bringen. Die entsprechen aber nicht unbedingt die Realität.

In meinem eigenen Prozess habe ich die Auseinandersetzung mit Achtsamkeit und Kreativität als hilfreicher Lebensweg empfunden, der mir es erlaubt, meine Glaubenssätze und meinen Wunsch nach Perfektion zu hinterfragen, und langsam lernen mit mir selbst und auch mit den anderen etwas mitfühlender umzugehen.

Man kann auch erfahren, dass man Fehler machen darf, und dass es nicht so schlimm ist. Und man wird dann selbstbewusster.